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Darts WM Modus und Regeln — Das komplette Turnierformat erklärt

Dartpfeil steckt im Triple-20-Feld einer Dartscheibe auf der WM-Bühne

Wer bei der Darts-Weltmeisterschaft mitwetten will, sollte zuerst verstehen, was auf der Bühne passiert. Und damit ist nicht die verkleidete Menge im Alexandra Palace gemeint, die bei jedem 180er die Halle zum Beben bringt. Es geht um Sets, Legs, Double-Out-Regeln und einen Turniermodus, der je nach Runde völlig unterschiedliche taktische Anforderungen stellt. Ein Erstrundenspiel über Best-of-5-Sets hat mit dem Finale über Best-of-13-Sets etwa so viel gemeinsam wie ein Freundschaftskick mit einem Champions-League-Endspiel.

Dieser Artikel erklärt das komplette Regelwerk und Turnierformat der PDC World Darts Championship. Vom Grundprinzip 501 Double Out über die Satzstruktur bis hin zur Frage, warum das Format für Sportwetten eine so entscheidende Rolle spielt. Denn die gleichen zwei Spieler können in einem kurzen Match ein völlig anderes Ergebnis liefern als in einem langen — und genau das macht die Darts-WM für Wetter so faszinierend wie unberechenbar.

Inhaltsverzeichnis
  1. Die PDC World Darts Championship — Geschichte und Bedeutung
  2. Das Spielsystem — 501 Double Out im Detail
  3. Turnierstruktur — Von der Qualifikation bis zum Finale
  4. Wichtige Statistiken und Begriffe für Wetten
  5. Wie der Modus die Wettmöglichkeiten beeinflusst
  6. Der Puls hinter den Pfeilen

Die PDC World Darts Championship — Geschichte und Bedeutung

Die PDC World Darts Championship ist das größte und prestigeträchtigste Turnier im professionellen Dartsport. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 hat sie sich von einem Nischenevent zu einem globalen Sportereignis entwickelt, das jährlich Millionen Zuschauer vor die Bildschirme zieht. Die erste Ausgabe fand damals in der Circus Tavern im englischen Purfleet statt, einem Veranstaltungsort mit dem Charme einer Kneipe und Platz für wenige hundert Zuschauer. Dennis Priestley sicherte sich den ersten Titel gegen Phil Taylor, der anschließend das Turnier über fast zwei Jahrzehnte dominieren sollte. Taylor gewann den Titel insgesamt 14 Mal bei der PDC — ein Rekord, der wohl noch lange Bestand haben wird.

Der Umzug in den Alexandra Palace im Jahr 2008 markierte einen Wendepunkt. Der ikonische Veranstaltungsort im Norden Londons, liebevoll Ally Pally genannt, bot nicht nur deutlich mehr Kapazität, sondern verlieh dem Turnier auch ein völlig neues Flair. Die Kombination aus historischer Architektur, kostümiertem Publikum und einer Atmosphäre, die irgendwo zwischen Fußballstadion und Karnevalsumzug liegt, machte die Darts-WM zu einem Fernsehphänomen. Die WM 2026 war die letzte Austragung in der West Hall des Ally Pally — künftige Ausgaben finden in der größeren Great Hall statt, wo das Turnier mindestens bis 2031 bleiben soll.

Finanziell hat sich das Turnier in eine völlig andere Dimension bewegt. Das Gesamtpreisgeld der Ausgabe 2025/26 betrug 5 Millionen Pfund — eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr und der größte Preisgeldsprung in der Geschichte der PDC. Der Weltmeister kassierte erstmals 1 Million Pfund, der Finalist erhielt 400.000 Pfund, und selbst ein Ausscheiden in der ersten Runde war noch 15.000 Pfund wert. Zum Vergleich: Bei der allerersten PDC-WM 1994 lag das Gesamtpreisgeld bei gerade einmal 64.000 Pfund. Diese Entwicklung zeigt, wie rasant sich der Dartsport professionalisiert hat.

Das Teilnehmerfeld wurde 2026 von zuvor 96 auf 128 Spieler erweitert — ein weiterer Meilenstein. Damit einher ging eine Formatanpassung: Alle Spieler, auch die Gesetzten, mussten erstmals in der ersten Runde antreten. Früher erhielten die Top-Seeds ein Freilos und stiegen erst in der zweiten Runde ein. Mit dem erweiterten Feld öffnete sich das Turnier für Spieler aus der ganzen Welt. Bei der WM 2026 gewann etwa Paul Lim im Alter von 71 Jahren ein Erstrundenspiel, Nitin Kumar wurde zum ersten indischen Sieger bei einer PDC-Weltmeisterschaft, und der Kenianer David Munyua sorgte mit seinem Sieg über den gesetzten Mike De Decker für eine der größten Überraschungen der Turniergeschichte.

Im Vergleich zu anderen Darts-Turnieren nimmt die Weltmeisterschaft eine Sonderstellung ein. Während Events wie das World Matchplay, der Grand Slam of Darts oder die UK Open jeweils eigene Formate und Reize haben, ist die WM das einzige Turnier, das im Set-Format gespielt wird. Alle anderen großen PDC-Turniere verwenden ein reines Leg-Format. Dieser Unterschied ist nicht nur eine Formsache, sondern hat erhebliche Auswirkungen auf den Spielverlauf und damit auch auf die Wettmöglichkeiten. Ein Spieler, der in einem reinen Leg-Match früh in Rückstand gerät, hat deutlich weniger Gelegenheiten zum Comeback als im Set-Modus, wo jeder gewonnene Satz quasi ein Neustart ist.

Das Spielsystem — 501 Double Out im Detail

Jedes Leg bei der Darts-WM beginnt mit exakt 501 Punkten. Beide Spieler werfen abwechselnd drei Darts pro Aufnahme und versuchen, ihren Punktestand möglichst schnell auf null zu reduzieren. Der entscheidende Haken: Jedes Leg muss mit einem Treffer auf ein Doppelfeld beendet werden. Diese sogenannte Double-Out-Regel gibt dem Spiel seine taktische Tiefe und macht den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Dartspieler aus.

Die Standardstrategie im professionellen Darts sieht vor, bei jeder Aufnahme die dreifache 20, also die Triple-20, anzuvisieren. Drei Treffer dort ergeben die Höchstpunktzahl von 180 pro Aufnahme, ein Ergebnis, das im Ally Pally mit kollektivem Jubel quittiert wird. Doch das reine Scoring ist nur die halbe Miete. Die eigentliche Kunst liegt im Checkout, also dem Herunterschließen des Restbestands auf null. Ein Spieler mit einem Rest von 170 Punkten kann theoretisch mit drei Darts ausschalten: Triple-20, Triple-20, Bullseye. Das ist der höchstmögliche Checkout und ein Moment, der in die Highlight-Rollen eingeht. Bei der WM 2026 gelangen Luke Littler gleich zwei solcher 170er-Finishes.

Ein Leg lässt sich im schnellstmöglichen Fall mit neun Darts abschließen, dem sogenannten Nine-Darter. Das ist das perfekte Leg im Darts, vergleichbar mit einem Hole-in-One im Golf oder einem 147-Break im Snooker. In der gesamten Geschichte der PDC-Weltmeisterschaft gab es bisher nur 16 Nine-Darter, wobei der erste erst 2009 durch Raymond van Barneveld gelang. Michael Smith erzielte 2023 den wohl berühmtesten Nine-Darter in einem WM-Finale. Die Seltenheit dieses Ereignisses macht es zu einem beliebten Spezialwettmarkt: Buchmacher bieten regelmäßig Wetten darauf an, ob während des Turniers ein Nine-Darter geworfen wird.

Der Aufbau aus Legs und Sets ist das Kernmerkmal des WM-Formats. Ein Set besteht aus maximal fünf Legs, wobei der Spieler gewinnt, der zuerst drei Legs für sich entscheidet. Das Recht des Anwurfs wechselt von Leg zu Leg, was bedeutet, dass der Spieler mit dem ersten Wurf einen strukturellen Vorteil hat. Er kann theoretisch jedes Leg mit weniger Aufnahmen beenden als sein Gegner. In der Praxis bedeutet das: Ein Spieler, der seinen Anwurf hält, gewinnt die Legs 1, 3 und 5 und damit den Satz. Ein Break, also ein Leggewinn gegen den Anwurf des Gegners, ist deshalb im Darts ähnlich wertvoll wie ein Break im Tennis.

Besonders spannend wird es im Entscheidungssatz eines Matches. Hier gilt seit einigen Jahren eine spezielle Tie-Break-Regel: Der letzte Satz muss mit zwei Legs Vorsprung gewonnen werden. Steht es beispielsweise 2:2 in Legs, reicht ein einfacher 3:2-Sieg nicht aus. Stattdessen muss ein Spieler auf 4:2 oder 5:3 davonziehen. Erreicht der Spielstand 5:5, folgt ein Sudden-Death-Leg, bei dem es keinen neuen Bull-Wurf gibt. Der Spieler, der gemäß der bisherigen Anwurfreihenfolge dran ist, wirft zuerst. Diese Regel sorgt für maximale Dramatik und hat in der Vergangenheit für einige der denkwürdigsten Momente der WM-Geschichte gesorgt.

Die Anzahl der Sets, die zum Matchgewinn benötigt werden, steigt mit jeder Runde:

Diese progressive Steigerung hat einen unmittelbaren Einfluss auf den Turnierverlauf. In den frühen Runden, wo nur drei Sätze nötig sind, kann ein einzelner starker oder schwacher Moment das gesamte Match entscheiden. Ein Außenseiter, der zwei starke Sätze erwischt und ein Break schafft, kann einen deutlich höher eingeschätzten Spieler eliminieren. In den späteren Runden hingegen setzt sich die Klasse meistens durch, weil das längere Format Schwankungen ausgleicht. Bei der WM 2026 zeigte sich das deutlich: Während in der ersten Runde gleich mehrere gesetzte Spieler ausschieden, darunter Mike De Decker (Nummer 11) und Kim Huybrechts, dominierten in den Viertelfinals und danach die Topspieler.

Turnierstruktur — Von der Qualifikation bis zum Finale

Der Weg zur Darts-WM führt über verschiedene Qualifikationsrouten, die seit der Erweiterung auf 128 Spieler im Jahr 2026 noch vielfältiger geworden sind. Das System soll sicherstellen, dass sowohl die absolute Weltspitze als auch aufstrebende Talente und internationale Vertreter am Turnier teilnehmen können. Im Kern gibt es drei große Qualifikationswege, die sich deutlich voneinander unterscheiden.

Die erste und prestigeträchtigste Route führt über die PDC Order of Merit, die offizielle Weltrangliste des Verbands. Die 40 bestplatzierten Spieler qualifizieren sich automatisch. Die Order of Merit basiert auf einem Zweijahres-Zyklus: Preisgelder, die Spieler bei Ranglistenturnieren gewonnen haben, werden nach 104 Wochen wieder abgezogen. Das bedeutet, dass Spieler ihre Ranglistenposition aktiv verteidigen müssen. Wer bei der WM 2024 weit gekommen ist, aber seitdem schwache Ergebnisse geliefert hat, kann seinen Platz durchaus verlieren. Dieses System belohnt Konstanz über einen längeren Zeitraum und verhindert, dass ein einzelnes gutes Turnier einen Spieler dauerhaft in der Rangliste hält.

Die zweite Qualifikationsroute läuft über die PDC Pro Tour Order of Merit, eine separate Rangliste, die nur die Ergebnisse der letzten zwölf Monate berücksichtigt. Die 40 bestplatzierten Spieler auf dieser Liste, die sich nicht bereits über die Hauptrangliste qualifiziert haben, erhalten einen WM-Startplatz. Dieser Weg ist besonders für Spieler relevant, die in der aktuellen Saison eine starke Form gezeigt haben, aber in der Zweijahres-Rangliste noch nicht weit genug oben stehen. So qualifizierte sich beispielsweise Gabriel Clemens für die WM 2026 als Nummer 21 der Pro Tour Order of Merit, obwohl er in der Hauptrangliste nur noch auf Rang 47 stand.

Die verbleibenden 48 Startplätze werden über internationale Qualifikationsturniere vergeben. Dazu gehören regionale Qualifier aus Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika sowie die PDC-Europe-Super-League und die Challenge Tour. Dieser Weg ermöglichte es internationalen Spielern, an der WM 2026 teilzunehmen und dort teilweise für Furore zu sorgen. Arno Merk, einer der acht deutschen Teilnehmer, sicherte sich seinen Startplatz als Gewinner der Super League Darts.

Die Setzliste für das Turnier orientiert sich an der PDC Order of Merit. Die Top 32 der Weltrangliste bilden die Setzliste. Spieler auf den Positionen 33 bis 64 werden per Zufall auf die linke Seite des Turnierbaums gelost, die Spieler 65 bis 128 auf die rechte Seite. Diese Struktur soll sicherstellen, dass die bestplatzierten Spieler erst in den späteren Runden aufeinandertreffen. Theoretisch können die beiden Topgesetzten frühestens im Finale gegeneinander spielen. In der Praxis bedeutet das für Wetter: Die Analyse des Turnierbaums ist essenziell. Ein Favorit mit einem vergleichsweise leichten Weg ins Halbfinale hat bessere Aussichten als einer, der früh auf starke Gegner trifft.

Der Zeitplan der WM erstreckt sich über rund drei Wochen. Die WM 2026 begann am 11. Dezember 2025 und endete mit dem Finale am 3. Januar 2026. Gespielt wird an fast jedem Tag, mit Ausnahme von Heiligabend, den Weihnachtsfeiertagen, dem Boxing Day und Silvester. Die täglichen Sessions sind in der Regel in eine Nachmittags- und eine Abendsession aufgeteilt, wobei in der Abendveranstaltung häufig die prominenteren Matches angesetzt werden. Für Sportwetter bedeutet dieser dichte Spielplan: Es gibt fast täglich Wettmöglichkeiten, und die Informationslage verbessert sich mit jedem gespielten Match. Wer die ersten Runden aufmerksam verfolgt, kann wertvolle Einblicke in die aktuelle Form der Spieler gewinnen.

Ein strukturell wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass alle Spieler seit 2026 in der ersten Runde einsteigen. In früheren Ausgaben hatten die gesetzten Spieler ein Freilos und begannen erst in der zweiten Runde. Die Abschaffung dieses Systems hat zwei Konsequenzen: Erstens müssen die Topspieler ein zusätzliches Match bestreiten, was die körperliche und mentale Belastung erhöht. Zweitens können sich Spieler aus den hinteren Rängen der Setzliste nicht mehr auf einen sanften Einstieg verlassen. Bei der WM 2026 zahlte sich das neue Format unmittelbar aus: Die Erstrundenspiele boten zahlreiche spannende Duelle, und auch die gesetzten Spieler mussten vom ersten Pfeil an Vollgas geben, was für zusätzliche Spannung sorgte.

Wichtige Statistiken und Begriffe für Wetten

Wer bei der Darts-WM erfolgreich wetten möchte, kommt an bestimmten Statistiken nicht vorbei. Die drei zentralen Kennzahlen im professionellen Darts sind der Average, die Checkout-Quote und die 180er-Frequenz. Jede dieser Metriken erzählt eine andere Geschichte über die Leistungsfähigkeit eines Spielers, und erst in der Kombination ergibt sich ein vollständiges Bild.

Der Average ist die mit Abstand meistgenannte Statistik im Dartsport. Er gibt an, wie viele Punkte ein Spieler im Durchschnitt pro Aufnahme (drei Darts) erzielt. Ein Average von 100 gilt als Marke für Weltklasse-Niveau. Bei der WM 2026 spielte Luke Littler im Finale einen Average von 106,02, was seine absolute Dominanz unterstreicht. Gabriel Clemens erzielte in seiner Drittrundenniederlage gegen Luke Humphries einen Average von 101,49 und stellte damit einen neuen deutschen WM-Rekord auf — trotz Niederlage. Der Average ist ein zuverlässiger Indikator für die Grundqualität eines Spielers, hat aber eine entscheidende Schwäche: Er sagt nichts darüber aus, wie gut ein Spieler seine Legs abschließt. Ein Spieler mit einem Average von 105, der jedes zweite Doppel verpasst, wird Matches gegen Spieler mit einem Average von 95 verlieren, die ihre Doppel zuverlässig treffen.

Genau hier kommt die Checkout-Quote ins Spiel. Sie misst, wie oft ein Spieler sein Leg beim ersten oder zweiten Versuch auf einem Doppelfeld beendet. Im professionellen Darts liegt eine gute Checkout-Quote bei etwa 40 Prozent. Littler erreichte im WM-Finale 2026 eine Quote von 46 Prozent, ein außergewöhnlicher Wert. Für Wetter ist die Checkout-Quote oft aussagekräftiger als der Average, denn sie entscheidet in engen Matches. Ein Spieler, der bei 170 Resten dreimal hintereinander an der Triple-20 scheitert, hat zwar ein Scoring-Problem. Aber ein Spieler, der seinen Rest von 40 dreimal am Doppel-20 vorbeiwirft, hat ein Checkout-Problem, und das kostet ihn Legs und letztlich Sätze.

Die 180er-Frequenz zeigt an, wie oft ein Spieler die Höchstpunktzahl von 180 pro Aufnahme erzielt. Littler warf im WM-Finale 2026 beeindruckende 16 Maximums. Diese Statistik ist besonders relevant für Spezialwetten, etwa die beliebte Über/Unter-Wette auf die Anzahl der 180er in einem Match oder die Head-to-Head-Wette, welcher Spieler mehr Maximums wirft. Manche Spieler sind für ihre hohe 180er-Quote bekannt, während andere eher auf Konsistenz und Checkout-Stärke setzen. Für Wetter lohnt sich ein Blick auf die saisonweiten 180er-Statistiken, die auf Seiten wie der offiziellen PDC-Website oder spezialisierten Datenbanken verfügbar sind.

Neben diesen drei Hauptstatistiken gibt es weitere relevante Begriffe. Der Anwurf (auch Bull-Off genannt) bestimmt zu Beginn eines Matches, welcher Spieler zuerst werfen darf. Beide Spieler werfen einen Dart auf das Bullseye, und wer näher dran ist, erhält den Anwurf für das erste Leg. Danach wechselt der Anwurf von Leg zu Leg. Ein Break bezeichnet den Gewinn eines Legs gegen den Anwurf des Gegners. Da der anwerfende Spieler theoretisch im Vorteil ist, weil er eine Aufnahme mehr hat, ist ein Break ein bedeutender Moment im Spielverlauf. Statistisch gesehen gewinnt der anwerfende Spieler im professionellen Darts etwa 55 bis 60 Prozent der Legs.

Der Nine-Darter verdient als statistische Besonderheit nochmals Erwähnung. In der Geschichte der PDC-Weltmeisterschaft gab es lediglich 16 perfekte Legs, verteilt auf ein Turnier, das mittlerweile über 30 Ausgaben zählt. Die Wahrscheinlichkeit eines Nine-Darters in einem einzelnen Leg liegt selbst bei Topspielern im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bei der WM 2026 verfehlten gleich zwei Spieler, darunter Luke Woodhouse, den Nine-Darter nur knapp, indem sie am letzten Doppel scheiterten. Der Sponsor Paddy Power hatte für jeden Nine-Darter während des Turniers eine Sonderprämie von insgesamt 180.000 Pfund ausgelobt, aufgeteilt zu je 60.000 Pfund zwischen dem Spieler, einem zufällig ausgewählten Fan und der Wohltätigkeitsorganisation Prostate Cancer UK.

Wie der Modus die Wettmöglichkeiten beeinflusst

Das progressive Set-Format der Darts-WM ist nicht bloß ein organisatorisches Detail, sondern der zentrale Faktor, der sämtliche Wettentscheidungen beeinflusst. Die Unterschiede zwischen einem Best-of-5-Match in der ersten Runde und einem Best-of-13-Finale sind so gravierend, dass erfahrene Wetter ihre Strategie von Runde zu Runde komplett anpassen.

In den ersten beiden Runden, gespielt im Best-of-5-Format, braucht ein Spieler lediglich drei Sätze zum Sieg. Das klingt nach wenig, und genau das ist der Punkt. Bei nur fünf möglichen Sätzen reicht ein einziges Break, um ein Match zu drehen. Ein Außenseiter, der in einem guten Moment zwei Sätze gewinnt und dann noch einen knappen dritten Satz mitnimmt, kann selbst Top-10-Spieler eliminieren. Bei der WM 2026 demonstrierte das unter anderem Stefan Bellmont, der als Schweizer Qualifikant den fünffachen Weltmeister Raymond van Barneveld besiegte. Für Wetter bedeutet das: Favoritenwetten in den frühen Runden sind riskant. Die Quoten auf die Favoriten sind oft niedrig (typischerweise zwischen 1,10 und 1,30), bieten aber angesichts der realen Überraschungswahrscheinlichkeit keinen ausreichenden Value. Erfahrene Wetter meiden deshalb häufig Siegwetten auf hohe Favoriten in Runde 1 und 2 oder sichern sich zumindest mit einem Handicap ab.

Ab der dritten Runde ändert sich das Bild merklich. Im Best-of-7-Format benötigt ein Spieler vier Sätze, was dem besseren Spieler mehr Raum gibt, ein frühes Formtief auszugleichen. Littler verlor bei der WM 2026 im Viertrundenspiel gegen Rob Cross den zweiten Satz, gewann aber letztlich 4:2, weil er über die längere Distanz sein Niveau halten konnte. Diese Runden eignen sich besser für Favoritenwetten, allerdings nur, wenn der Favorit tatsächlich in guter Form ist. Blind auf den Namen zu setzen, ohne die vorherigen WM-Auftritte analysiert zu haben, ist auch hier keine Strategie.

Das Viertelfinale im Best-of-9-Modus und das Halbfinale im Best-of-11-Modus markieren den Übergang zu Matches, in denen Klasse und Erfahrung den Ausschlag geben. Ein Spieler, der fünf oder sechs Sätze gewinnen muss, kann sich kaum durchmogeln. Gleichzeitig bieten diese längeren Formate interessante Möglichkeiten für Über/Unter-Wetten auf die Gesamtzahl der Sätze. Ein Viertelfinale zwischen zwei gleichstarken Spielern, das in einem knappen 5:4 endet, unterscheidet sich grundlegend von einem 5:0-Durchmarsch. Die Einschätzung, ob ein Match eng oder einseitig wird, ist der Schlüssel für profitable Über/Unter-Wetten.

Das Finale im Best-of-13-Modus stellt die höchste Prüfung dar. Sieben Sätze zum Sieg bedeuten, dass Schwankungen nahezu vollständig ausgeglichen werden. Der letzte 7:1-Finalsieg vor Littlers Triumph 2026 datierte 17 Jahre zurück, als Phil Taylor 2009 Raymond van Barneveld deklassierte. Solch einseitige Finals sind die Ausnahme, nicht die Regel. Wetter sollten im Finale besonders auf die Handicap-Märkte achten: Wenn zwei ebenbürtige Spieler aufeinandertreffen, bietet ein Handicap von +2,5 oder -2,5 Sätzen oft attraktivere Quoten als eine reine Siegwette.

Ein häufig unterschätzter Aspekt des Set-Formats ist der psychologische Faktor. Im Gegensatz zum Leg-Format bietet jeder neue Satz einen mentalen Neustart. Ein Spieler, der einen Satz 3:0 verloren hat, beginnt den nächsten Satz bei 0:0 und mit neuem Anwurf. Das erklärt, warum Comebacks bei der Darts-WM häufiger vorkommen als bei vielen anderen Darts-Turnieren. Gian van Veen gewann im Halbfinale 2026 gegen Gary Anderson mit 6:3, lag aber zwischenzeitlich 0:1 zurück und musste mehrfach Sätze im Entscheidungsleg gewinnen. Solche Schwankungen machen die WM für Livewetter besonders attraktiv, weil die Quoten nach einem verlorenen Satz des Favoriten oft überreagieren.

Der Puls hinter den Pfeilen

Die Darts-WM ist mehr als ein Sportturnier — sie ist ein dreiwöchiges Schauspiel, in dem sich Mathematik, Nervenkraft und die unbändige Energie des Alexandra Palace zu etwas verbinden, das es in keiner anderen Sportart gibt. Wer das Regelwerk versteht, gewinnt mehr als nur Wissen über Sets und Legs. Er erkennt, warum ein 3:2 in der ersten Runde ein völlig anderes Signal sendet als ein 4:3 im Viertelfinale. Er begreift, warum die Checkout-Quote in engen Momenten wichtiger ist als der Average. Und er versteht, warum ein erfahrener Spieler im langen Format einen Vorteil hat, der sich in keiner Tabelle ablesen lässt. Letztlich ist es dieses Zusammenspiel aus Regeln, Statistiken und menschlichem Drama, das die Darts-WM zum faszinierendsten Einzelturnier im Sportwetten-Kalender macht. Wer das nächste Mal im Dezember den Fernseher einschaltet und die ersten Darts fliegen sieht, wird das Geschehen mit anderen Augen verfolgen.

Von Experten geprüft: Jonas Winkler